Der Klimawandel ist eine gemeinsame Herausforderung, die gemeinschaftliche Lösungen erfordert. Vor diesem Hintergrund ist das Klima-Taler Network entstanden – eine wegweisende Initiative und stetig wachsende Gemeinschaft von Städten, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet haben. Über sogenannte City Teams in der Klima-Taler-App fördern diese Kommunen klimafreundliches Verhalten und ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, aktiv zu lokalen und globalen Klimazielen beizutragen. In diesem Artikel zeigen wir, wie das Netzwerk als kollaboratives Ökosystem funktioniert – mit Einblicken in die Funktionsweise der Klima-Taler-App , die Rolle der motiontag-Technologie zur Mobilitätserfassung und Analyse-Dashboardsowie anhand von Erfolgsgeschichten aus Städten wie Aachen und Leer.
Städte im Klima-Taler-Netzwerk
So funktioniert die Klima-Taler-App
Die Klima-Taler-App ist das Herzstück des Klima-Taler-Netzwerks. Sie wurde entwickelt, um nachhaltiges Mobilitätsverhalten von Bürgerinnen und Bürgern zu fördern und zu belohnen. So funktioniert’s:
- Registrierung: Nutzerinnen und Nutzer laden die Klima-Taler-App herunter und können optional ein Profil anlegen – persönliche Daten wie E-Mail-Adresse, Name oder Telefonnummer werden dabei nicht abgefragt. Anschließend treten sie dem Team ihrer Stadt in der App bei.
- Mobilitätserfassung: Die App, unterstützt durch die automatisierte Verkehrsmittelerkennung von motiontag, erfasst nahtlos Mobilitätsaktivitäten wie Gehen, Radfahren, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder Autofahrten – ganz ohne manuelle Eingaben der Nutzer:innen.
- Klima-Taler verdienen: Für jede erfasste umweltfreundliche Aktivität erhalten Nutzer:innen Klima-Taler (Climate Coins) – basierend auf der zurückgelegten Strecke und den eingesparten CO₂-Emissionen. Die Climate Coins werden automatisch alle 5 Kilometer generiert, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.
- Prämien einlösen: Klima-Taler können gegen Rabatte, nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen eingetauscht werden – angeboten von lokalen Unternehmen und kommunalen Partnern. In der App finden sich Angebote von über 500 lokalen Händlerinnen und Händlern sowie mehr als 40 öffentlichen Schwimmbädern.
- Community-Challenges: In der App gibt es lokale und städteübergreifende Challenges, bei denen die Teilnehmenden gemeinsam auf Nachhaltigkeitsziele hinarbeiten – und dabei Gemeinschaftsgefühl und ein freundschaftlicher Wettbewerb entstehen.
- Fortschritte verfolgen: Nutzer:innen können ihre individuellen Beiträge zur CO₂-Einsparung in vier Bereichen nachverfolgen (grüne Mobilität, Energie- und Wassersparen, nachhaltiger Konsum und Klimaanpassung). Städte wiederum erhalten Zugriff auf aggregierte Mobilitätsdaten, die als Grundlage für stadtplanerische Entscheidungen dienen können.
Dieser intuitive und automatisierte Prozess sorgt für eine hohe Beteiligung der Nutzer:innen und langfristige Verhaltensänderungen – und stellt Kommunen gleichzeitig hochwertige Mobilitätsdaten zur Verfügung.
Benutzeroberfläche der Klima-Taler-App
Was ist das Klima-Taler-Netzwerk?
Das Klima-Taler-Netzwerk ist mehr als ein Anreizsystem – es ist eine Gemeinschaft vorausschauender Städte, die Klima-Taler in ihren Alltag integriert haben. Die App belohnt umweltfreundliches Verhalten – wie Radfahren, Zufußgehen oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel – mit Klima-Talern (Climate Coins), die für Rabatte und nachhaltige Produkte eingelöst werden können. Das Netzwerk schafft ein gemeinsames Ökosystem, in dem Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten, um Emissionen zu reduzieren und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Die wichtigsten Funktionen des Klima-Taler-Netzwerks
- City-Teams in der Klima-Taler-App: Jede Stadt bietet in der App ein eigenes Team an, das auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten ist – für mehr Relevanz und höhere Beteiligung.
- Community-Engagement: Die Städte organisieren lokale Challenges und Veranstaltungen, um ihre Bürger:innen zu einem nachhaltigen Lebensstil zu motivieren.
- Datenbasierte Einblicke: Kommunen erhalten Zugriff auf verwertbare Mobilitätsdaten, die Stadtplanung und Infrastrukturentwicklung gezielt unterstützen.
Wie Städte und Bürger:innen von der Gemeinschaft profitieren
Gemeinsame Klimawirkung
Das Klima-Taler-Netzwerk ermöglicht es Städten, gemeinsam zu handeln, voneinander zu lernen und ihren kollektiven Fortschritt bei der CO₂-Reduktion messbar zu machen. Die durch Klima-Taler belohnten Maßnahmen fördern einen breit verankerten Wandel im Verhalten – Nachhaltigkeit wird so zur gemeinsamen Aufgabe.
Datenbasierte Stadtplanung
Der Zugriff auf Echtzeit-Mobilitätsdaten erlaubt es Kommunen, urbane Räume bedarfsgerecht zu gestalten, Verkehrsnetze zu optimieren und Ressourcen effizient einzusetzen.
Stärkung städtischer Partnerschaften
Das Netzwerk schafft neue Möglichkeiten für öffentlich-private Partnerschaften und erhöht die Skalierbarkeit sowie die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen.
Wie die motiontag-Technologie und das Dashboard deutsche Städte unterstützen
Nahtlose automatisierte Verkehrsmittelerkennung
Die automatisierte Verkehrsmittelerkennung von motiontag bildet das technologische Rückgrat der Klima-Taler-Apps. Sie erkennt zuverlässig Fortbewegungsarten – wie Zufußgehen, Radfahren oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel – ganz ohne manuelle Eingaben und sorgt so dafür, dass nachhaltiges Verhalten in allen teilnehmenden Städten fair belohnt wird.
motiontags Technologie zur Erfassung von Mobilitätsdaten nutzt verschiedene Smartphone-Sensoren. Sie erkennt automatisch zwölf verschiedene Fortbewegungsarten – darunter Zufußgehen, Radfahren, Auto, Bus, Straßenbahn, U-Bahn, Stadt- und Regionalzüge, S-Bahn, Flugzeug, Fähre und Seilbahn – mit einer Genauigkeit von 97 %.
motiontag-App: Persönliches Mobilitätstagebuch und Rethink-Dashboard
Vorteile für die Stadtgemeinschaft
Einheitliche Datenqualität: Gewährleistet eine verlässliche Mobilitätserfassung in allen Städten des Netzwerks.
Städteübergreifendes Benchmarking: Erleichtert den Vergleich und den Wissensaustausch zwischen teilnehmenden Kommunen.
Nutzerzentriertes Design: Vereinfacht die Teilnahme und fördert eine langfristige Einbindung der Nutzer:innen im gesamten Netzwerk.
Nutzerzentriertes Design: Vereinfacht die Teilnahme und fördert eine langfristige Einbindung der Nutzer:innen im gesamten Netzwerk.
Zugängliche Daten für lokale Wirkung
Das Rethink-Dashboard, entwickelt von motiontag, unterstützt Städte mit einem benutzerfreundlichen Tool zur Datenvisualisierung. Es wurde speziell für Städte und Gemeinden mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen im Bereich Mobilitätsdatenanalyse konzipiert. Mit verschiedenen KPIs und dynamischen Heatmaps können Kommunen nahezu in Echtzeit auf die durch die App generierten Daten zugreifen und diese auswerten – ganz ohne große Investitionen oder eigenes Datenanalyse-Team.
Praxisbeispiele: Erfolgsgeschichten aus deutschen Städten
Stadt Aachen: Eine Erfolgsgeschichte aus der Praxis
Die Stadt Aachen hat die App Aachen.move in Zusammenarbeit mit motiontag und Klima-Taler.com gestartet. Die Initiative zeigt, wie anreizbasierte Programme in Kombination mit fortschrittlicher Datenanalyse messbare Klimaziele erreichen können. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:
- 8 % mediane Reduktion der CO₂-Emissionen: Die Nutzer:innen von Aachen.move konnten durch nachhaltige Mobilitätsentscheidungen ihren CO₂-Fußabdruck deutlich verringern.
- 67,8 Millionen erfasste Kilometer: Ein Beleg für die hohe Beteiligung der Nutzer:innen und eine wertvolle Datenbasis für die städtische Mobilitätsplanung.
- Datenbasierte Stadtplanung: Erkenntnisse aus dem Rethink-Dashboard ermöglichten es den Stadtplaner:innen in Aachen, ÖPNV-Routen zu optimieren, Radwege besser auszulasten und das Verkehrsmanagement an Mobilitätsknotenpunkten zu verbessern.
Strategische Vorteile des Rethink-Dashboards in Aachen:
- Datenschutz an erster Stelle: Die Datenerhebung erfolgte nach strengen Datenschutzstandards und schaffte so Vertrauen bei den Nutzer:innen.
- Weniger Infrastrukturaufwand: Durch das Rethink-Dashboard entfiel die Notwendigkeit aufwendiger technischer Infrastruktur oder spezialisierten Personals – die Erkenntnisse sind direkt nutzbar.
- Gezielte Maßnahmen: Die Analyse verschiedener Nutzer:innengruppen ermöglichte es Aachen, passgenaue Maßnahmen umzusetzen, Ressourcen gezielt einzusetzen und die Klimawirkung zu verstärken.
Stadt Leer: Aufbau einer klimabewussten Gemeinschaft
Leer konnte durch gezielte Anreize viele Bürger:innen aktiv einbinden – mit einer hohen Nutzungsrate der städtischen App (über 6 % der Gesamtbevölkerung) und wachsender Teilnahme an lokalen Nachhaltigkeitsprogrammen. Insgesamt boten 54 teilnehmende lokale Unternehmen und Händler:innen spezielle Rabatte und Klima-Taler-Angebote an. Dadurch belegte die Stadt mit großem Abstand den ersten Platz in der bundesweiten Klima-Taler-Challenge.
Gamification und Verhaltensänderung
Gamification-Elemente in der Klima-Taler-App haben sich als äußerst wirksam erwiesen, um eine breite Zielgruppe zu umweltfreundlicherem Verhalten zu motivieren. Erkenntnisse aus der Klima-Taler-App-Nutzerbefragung 2024 in Gladbeck, durchgeführt von IMOBIS und FONA – Forschung für Nachhaltigkeit, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, verdeutlichen drei zentrale Ergebnisse:
- Erreicht die Klima-Taler-App auch ältere Altersgruppen? Ja, 80,6 % der Nutzer:innen sind über 30 Jahre alt.
- Ist die App nur für klimabewusste Personen geeignet? Nein, sie spricht eine breite Zielgruppe an. 84 % der Nutzer:innen besitzen ein oder zwei Autos, 61,6 % haben kein Monats- oder Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr und 87,5 % nutzen kein Carsharing.
- Beeinflusst die App das Verhalten der Nutzer:innen? Ja, 72 % der Nutzer:innen geben an, sich häufiger für umweltfreundliche Optionen wie Zufußgehen, Radfahren oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu entscheiden.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die Klima-Taler-App nicht nur bei jungen, klimabewussten Menschen wirkt, sondern auch ältere Zielgruppen und weniger klimaaffine Personen dazu motiviert, nachhaltigere Mobilitätsentscheidungen zu treffen.
Ausblick: Ausbau der Community und langfristige Wirkung sichern
Wachsende Beteiligung von Städten
Seit dem Start im Jahr 2023 mit zunächst 10 Kommunen ist das Klima-Taler-Netzwerk bis Ende 2024 auf 24 Städte und Gemeinden angewachsen. Für 2025 haben über 40 Städte und Landkreise ihre Teilnahme bestätigt – darunter der gesamte Kreis Viersen sowie der erste Regionalverband. Große Städte wie Köln, Hamm, Darmstadt und Aachen sind bereits Teil des Netzwerks, München startet voraussichtlich Mitte 2025. Auch
Darüber hinaus wächst das Netzwerk durch Technologiepartnerschaften. Betreiber kommunaler Apps können die Klima-Taler-Funktion mithilfe eines Software Development Kits (SDK) integrieren – so kann Klima-Taler nahtlos in bestehende städtische App-Ökosysteme eingebunden werden. Erste SDK-Integrationen wurden bereits in der HEAG Darmstadt App (Darmstadt im Herzen App) sowie in der App der Stadtwerke
Datenbasierte Entscheidungsfindung stärken
Das Rethink-Dashboard hat seinen Mehrwert in Aachen bewiesen, indem es Kommunen entscheidende Einblicke zur Optimierung von öffentlichem Nahverkehr und Infrastruktur lieferte. Wenn diese Analysefunktionen auf weitere Städte ausgeweitet werden, können datenbasierte politische Entscheidungen getroffen und umfassendere Emissionsziele besser erreicht werden.
Langfristige Nutzer:innenbindung fördern
Praxisbeispiele zeigen: Eine dauerhaft hohe Beteiligung hängt maßgeblich von kontinuierlich weiterentwickelten Anreizen und lokal relevanten Belohnungen ab. Erfolgreiche Strategien sind unter anderem Gamification-Elemente, Community-Challenges und personalisierte Mobilitätsanalysen – sie alle tragen zur langfristigen Nutzung bei.
Förderung der städteübergreifenden Zusammenarbeit
Erfolgsberichte aus teilnehmenden Städten verdeutlichen die Vorteile des gemeinsamen Lernens. Durch den Austausch von Erfahrungen und Wissen im Klima-Taler-Netzwerk können Städte bewährte Ansätze schneller übernehmen und ihre Klimaziele effizienter erreichen.
Das Klima-Taler-Netzwerk steht für einen grundlegenden Wandel in der Herangehensweise von Städten an den Klimaschutz. Durch den Aufbau einer Gemeinschaft von Kommunen entsteht eine Kultur der Nachhaltigkeit – getragen von datenbasierten Entscheidungen und gemeinsamer Verantwortung. Erfolgsgeschichten aus Aachen, Leer und vielen weiteren Städten zeigen die konkreten Vorteile dieses kooperativen Ansatzes. Mit dem weiteren Wachstum der Community – basierend ausschließlich auf nachgewiesenen Erfolgen und bewährten Methoden – wird das Netzwerk eine zentrale Rolle bei der Gestaltung klimaresilienter Städte in Europa und darüber hinaus spielen.