Wie hat die russische Invasion die Mobilität in Berlin beeinflusst?
Als Reaktion auf steigende Preise für Verbrauchsgüter und Benzin führte die deutsche Bundesregierung das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr ein. Dieses Monatsticket war in den Sommermonaten 2022 für jeweils 9 Euro erhältlich und deutschlandweit in allen öffentlichen Verkehrsmitteln gültig – mit Ausnahme von Intercity- (IC) und Intercity-Express-Zügen (ICE).
Während wir eine belastbare Stichprobe dazu erheben, wie Berliner:innen aktuell auf das 9-Euro-Ticket reagieren, hat MOTIONTAG bereits die Veränderungen analysiert, die seit dem 24. Februar eingesetzt haben.
Wie allgemein bekannt, sind seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine die Energie- und insbesondere die Ölpreise stark gestiegen. Ziel dieser Artikelserie ist es, die Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten sowie die Effekte staatlicher Maßnahmen – wie des 9-Euro-Tickets – besser zu verstehen.
März 2022: 3 Monate vor Einführung des 9-Euro-Tickets
Rückblickend auf Anfang März lässt sich an Werktagen eine deutliche Veränderung bei Auto-, Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung beobachten (siehe unten). Gleichzeitig blieben die Wetterbedingungen in Berlin über den Monat hinweg nahezu konstant – die Durchschnittstemperaturen unterschieden sich zwischen der ersten und zweiten März-Hälfte nur um etwa 2 Grad.
Wir vermuten, dass vor allem der rasche Anstieg der Benzinpreise zur Monatsmitte den größten Einfluss auf diese Verschiebungen hatte.
Am stärksten veränderten sich die Anteile der Fahrrad- und Autofahrten, während sowohl der ÖPNV-Anteil bei Pendelfahrten als auch der Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege nahezu unverändert blieben.
April 2022: 2 Monate vor Einführung des 9-Euro-Tickets
Mit Blick auf die Daten ist zu erwarten, dass sich die Pendelmuster ab Mitte April aufgrund der verbesserten Witterung weiter verändern. An Arbeitstagen stieg die Durchschnittstemperatur von rund 12,3 °C auf 16,1 °C – Bedingungen, die das Radfahren begünstigen.
Wie prognostiziert, setzten Auto- und Fahrradnutzung ihre Entwicklung fort: Der Anteil der Autofahrten sank um 2 Prozentpunkte, während der Anteil der Fahrradfahrten um denselben Wert stieg.
In der Summe entspricht ein Unterschied von 2 Prozentpunkten – trotz höherer Ölpreise und besseren Wetters – jedoch keiner signifikanten Veränderung der Pkw-Nutzung in Berlin.
Offene Fragen
- Sind die Preise für den öffentlichen Nahverkehr weiterhin vergleichsweise hoch?
- Wird das 9-Euro-Ticket (bzw. sein Nachfolger) dazu führen, dass weniger mit dem eigenen Auto gefahren wird?
The largest variation occurred in the percentage of bicycle and car trips. While the proportion of using public transportation for commuting and the share of walking remained almost unchanged.
Looking further into the data, we expected the commuting patterns to further change due to improved weather conditions in the middle of April. During this time, the temperature raised from an average of 12.3 degrees during working days to 16.1, making the weather even more suitable for biking.
April 2022: 2 months before 9-Euro-Ticket launch
As predicted, both car and bike usage followed their initial development. Interestingly, while the share of car rides decreased by 2 percentage points, the amount of bike rides increased by the same value.
Overall, despite increased oil prices and improved weather conditions, a 2 percentage point difference represents no significant change in car usage among Berlin residents.
Does this mean that the prices for public transportation are still comparatively high?
Will the 9-Euro-Ticket drive people to reduce the usage of their private cars?
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