Verkehrsplanung und Einnahmeaufteilung im ÖPNV brauchen vor allem eines: verlässliche Daten, die widerspiegeln, wie Menschen sich tatsächlich bewegen. Jahrzehntelang wurden diese Informationen über klassische Befragungen gewonnen: mit viel Personal, langen Vorbereitungszeiten und einem Ergebnis, das immer nur einen kurzen Moment einfängt.
Doch was wäre, wenn Mobilitätsdaten kontinuierlich, tagesaktuell und mit deutlich geringerem Aufwand erhoben werden könnten?
Genau das untersucht BVG gemeinsam mit motiontag im Projekt NuVe – Nutzerunterstützte Verkehrserhebung.
Ein neuer Ansatz: Mobilität datenschutzkonform über Smartphones erfassen
Für das Projekt wurde die Erkennungstechnologie von motiontag in die BVG Fahrinfo App integriert. Das Prinzip dahinter ist einfach erklärt: Die App erkennt Bewegungen und Verkehrsmittel automatisch im Hintergrund – natürlich nur nach aktiver Einwilligung und vollständig datenschutzkonform.
Für die Nutzer:innen ändert sich wenig. Für Verkehrsunternehmen dagegen potenziell sehr viel. Denn anstelle von punktuellen Stichproben entsteht ein laufendes, differenziertes Bild des tatsächlichen Nutzungsgeschehens.

Beeindruckende Beteiligung – und Daten, die nah an den Realzahlen liegen
Seit dem Start im Mai 2025 haben sich rund 28 000 Menschen für das Projekt registriert (Stand: Mai-October 2025). Ihre Wege ergeben einen Datensatz von über 2,5 Millionen erfassten Etappen. Darunter sind auch zahlreiche ÖPNV-Fahrten, bei denen die erkannte Bewegung direkt einem Ticket zugeordnet werden kann.
Besonders spannend ist der Vergleich mit bestehenden Daten:
Der Vergleich mit Unternehmensbeförderungsfällen (UBF 2024) und Mobilität in Städten (SrV 2023) zeigt: Die ÖV-Wege (UBF) werden nahezu exakt getroffen. Der Modal Spilt (pkm) ist für den motorisierten Verkehr (MIV und ÖV) ebenfalls nahezu deckungsgleich. Lediglich beim Rad und zu Fuß gehen ergeben sich Unterschiede, welche sich durch die unterschiedlichen Methoden erklären lassen. Insgesamt bestätigt der Vergleich: Die digitale Methode trifft die zentralen Kennwerte sehr genau.


„Die Daten sind wirklich sehr plausibel, und auch repräsentativ.“ – Stefan Geier, BVG
Warum dieser Ansatz so vielversprechend ist
Wenn die Methodik sich bewährt, hätte das für Verkehrsunternehmen enorme Auswirkungen.
Denn nicht nur der Aufwand würde sinken – auch die Art, wie Daten genutzt werden können, würde sich verändern:
-
Man wäre nicht mehr auf Erhebungsjahre angewiesen, sondern hätte kontinuierliche Einblicke in Trends.
-
Multimodale Wege, Umstiege und regionale Unterschiede würden deutlich detaillierter sichtbar – und Verkehrsmodelle sowie Planungen könnten kontinuierlich kalibriert werden, um Entscheidungen noch näher an der realen Nutzung auszurichten.
-
Entscheidungen zur Planung, Qualitätssicherung und Einnahmeaufteilung könnten stärker an realer Nutzung ausgerichtet werden.
Dass die Technologie dabei energieeffizient, präzise und datenschutzkonform arbeitet, ist kein Nebenaspekt – sondern der Schlüssel, damit langfristige Erfassungen überhaupt möglich sind.
Fazit: Ein Projekt mit Signalwirkung
NuVe zeigt eindrücklich, wie weit digitale Mobilitätserfassung heute bereits ist – und welche Chancen darin für Planung, Steuerung und Finanzierung des ÖPNV liegen.
BVG und motiontag testen damit nicht einfach ein technisches Feature.
Sie erproben eine mögliche zukünftige Standardmethode, mit der Verkehrsunternehmen fairer, präziser und effizienter arbeiten können.
Mehr erfahren
Wer tiefer einsteigen möchte, kann die komplette Webinar-Aufzeichnung, den kompakten One-Pager sowie alle Präsentationsfolien erhalten – in Deutsch, Englisch und Französisch.
Jetzt registrieren und alle Materialien erhalten