Die gerechte Verteilung von Einnahmen ist ein zentrales Element des öffentlichen Verkehrs. In einem System wie der Schweiz, in dem über 250 Transportunternehmen (TU) Hand in Hand arbeiten, ist die genaue Erfassung der Netznutzung – insbesondere bei Pauschalabonnementen wie dem Generalabonnement (GA) – eine Herkulesaufgabe. Ein wegweisendes Pilotprojekt zwischen der Alliance SwissPass und motiontag zeigt nun: Die Ära der manuellen Reisetagebücher geht zu Ende. Willkommen in der Ära automatisierter Mobilitätsdaten.
Die Erosion des Status Quo: Warum manuelle Erhebungen nicht mehr ausreichen
Jahrzehntelang bildeten manuelle Befragungen und physische Reisetagebücher die Grundlage für den sogenannten „Verteilschlüssel“. Doch die Mobilität hat sich verändert. Fahrgäste erwarten heute nahtlose Wegeketten, spontane Umstiege und intermodale Flexibilität.
Die traditionelle Methodik stieß dabei zunehmend an ihre Grenzen:
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Gedächtnislücken: Kurze Teilstrecken oder hektische Umstiege wurden in manuellen Protokollen oft übersehen.
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Hoher Korrekturaufwand: Bis zu 15 % der Daten waren unvollständig und mussten mit hohem administrativem Aufwand nachbearbeitet werden.
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Fehlende Granularität: Um eine gerechte Auszahlung an jedes Einzelne der 250 Transportunternehmen zu garantieren, reichen bisherige Methoden nicht mehr aus.
Für die Transportunternehmen geht es hierbei um reale Umsätze. Jede nicht erfasste Fahrt bedeutet einen potenziellen Einnahmeverlust für den jeweiligen Betreiber.
Die Lösung: Passive Erfassung mit der „myJourney“ App
Um diese Lücken zu schließen, setzte die Alliance SwissPass (ASP) auf die Technologie von motiontag. Das Herzstück des Projekts ist die myJourney App. Im Gegensatz zu aktiven „Check-in/Check-out“-Systemen arbeitet unsere Technologie im Hintergrund und erfasst Fahrten passiv.
Wie funktioniert die Technologie?
Unsere Core-Technologie nutzt die Sensorik des Smartphones (GPS, Beschleunigungssensoren, WLAN), um den Verlauf einer Reise zu identifizieren. Durch den Einsatz von Machine Learning kann das System mit einer Genauigkeit von über 96 % zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln unterscheiden – egal ob Bahn, Bus, Tram oder Schiff.
Ein entscheidender Durchbruch im Schweizer Projekt war der Einsatz von Bluetooth-Beacons. Diese kleinen Sender in den Fahrzeugen fungieren als digitaler „Anker“. Sie bestätigen dem Smartphone eindeutig, in welchem Fahrzeug sich der Fahrgast befindet, selbst in dicht bebauten städtischen Gebieten oder bei komplexen Umstiegsmanövern.

Die Ergebnisse des Pilotprojekts 2024: Ein Sprung in der Datenqualität
Von Februar bis Oktober 2024 wurde das System auf Herz und Nieren geprüft. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache und markieren den „methodischen Wendepunkt“, von dem Dominic Shepherd (ASP) im Webinar sprach.
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Minimale Korrekturrate: Während manuelle Daten oft massiv nachbearbeitet werden mussten, lag die Korrekturrate bei den automatisierten Daten bei lediglich 4 %.
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Höchste Effizienz: Ein häufiges Gegenargument gegen Tracking ist der Batterieverbrauch. Die myJourney App verbraucht lediglich ca. 2,5 % Akku pro Stunde in Bewegung.
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Hohe Akzeptanz: Beeindruckende 75 % der Mitgliedsunternehmen stimmten bereits nach dem ersten Jahr dafür, die traditionelle Erhebung durch diesen digitalen Ansatz zu ersetzen.
Der Faktor Mensch: Wie baut man ein repräsentatives Panel auf?
Technologie ist nur die halbe Miete. Für einen validen Verteilschlüssel ist ein repräsentatives Abbild der Bevölkerung entscheidend. Das Pilotprojekt lieferte hier wertvolle Insights für das Panel-Management:
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Postalische Einladungen schlagen E-Mail: Überraschenderweise erwiesen sich physische Briefe als dreimal so effektiv bei der Rekrutierung wie digitale Mailings.
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Inzentivierung wirkt: Wettbewerbe (z. B. die Verlosung eines GA der 1. Klasse) steigerten die Teilnahmebereitschaft signifikant.
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Demografische Breite: Das Panel zeigte eine hohe Repräsentativität über alle Altersgruppen hinweg – ein Beweis dafür, dass digitale Lösungen auch bei älteren Nutzergruppen akzeptiert werden, wenn der Nutzen klar kommuniziert wird.

Datenschutz als Fundament
In der Schweiz und in Europa ist Datensouveränität nicht verhandelbar. Die Lösung von motiontag ist „Privacy-by-Design“. Alle Daten werden gemäß dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) und der DSGVO verarbeitet. Die Nutzer behalten die volle Kontrolle über ihre Daten, während die Verkehrsplaner die granularen Einblicke erhalten, die sie für eine faire Einnahmeaufteilung benötigen.
Fazit: Ein Blueprint für Europa
Das Projekt mit Alliance SwissPass beweist: Die Technologie ist marktreif. Sie bietet nicht nur eine präzisere Datenbasis für die Abrechnung, sondern entlastet auch die Endnutzer von der manuellen Dokumentation.
Für Transportunternehmen bedeutet dies eine leistungsgerechte Vergütung, die auf tatsächlichen Fahrten basiert, statt statistischer Hochrechnungen. Jede aufgezeichnete Reise wird gemäß dem nationalen Einzeltarif bepreist und sorgt so für wirtschaftliche Transparenz im gesamten Netzwerk.
Sind Sie bereit, Ihre Datengrundlage für die Einnahmeaufteilung auf ein neues Niveau zu heben? Die Experten von motiontag unterstützen Sie dabei von der Vision bis zur Implementierung. Kontaktieren Sie uns für eine technische Demo.